Monday, October 25, 2010

Mein zweiter Eintrag --Sepember 1, 1938


Sepember 1, 1938

Vieles ist geschehen, seitdem ich hier zulezt geschrieben habe. Wir haben keinen Anruf ueber einen moeglichen Auswanderungsplatz bekommen und deswegen sind wir immer noch in Bremen. Wenn es an uns liegen wuerde, waeren wir schon laengst ins Ausland gefluechtet. Wir duerfen gar nichts machen und wollen nicht mehr versteckt leben, sondern mit Freiheit und Gleichberechtigung. Die Lage bei uns hat sich nur verschlechtert. Wir haben mittlerweile andauernd Angst, erwischt zu werden. Wir haben immer weniger zum Essen weil wir nicht raus duerfen, um einkaufen zu gehen. Unsere Nachbarn passen auf uns auf und versuchen, uns immer Essen zu besorgen. Obwohl es eine sehr grosse Belohnung angeboten wird, wenn man Juden anzeigt, sind wir uns sicher, dass sie uns niemals varraten werden. Mein 60 jaehrige Papa ist schon etwas krank, und ohne genug Essen wird es ihm nicht besser gehen. Der Herbst in Norddeutschland hat schon angefangen und bei uns zu Hause haben wir keine Heizung mehr. Wenn wir die Heizung benutzen wuerden, koennten die Nazis erfahren, dass es doch Leute in unserem Haus gibt. Unser Haus sieht einsam aus, und unsere Nachbarn erzaehlen, dass wir schon ins Ausland gefluechtet sind. Ich hoffe, dass es weiter so bleibt. Wir hoeren immer geruechte ueber Juden, die schreckliche Sachen in den Konzentrationslagern erleben muessen. Ich muss mich aber jetz schon verabschieden, weil ich auf meinen Papa aufpassen muss. Ich melde mich dann, wenn ich wieder Zeit habe.

Izhak Feist

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